Depression als Echo von Trauma

Ein integrativer Blick auf Körper, Nervensystem und Seele.
FAQ: 3 schnelle Fragen und Antworten
Wenn Sie diesen Artikel lesen, suchen Sie vielleicht nach Antworten, die über die klassische Diagnose hinausgehen. Oft wird Depression als eine reine „Stoffwechselstörung im Gehirn“ oder bloße Antriebslosigkeit betrachtet. Doch was, wenn die Symptome – die schwere Decke, die Taubheit, die Sinnlosigkeit – eigentlich eine sehr intelligente, wenn auch schmerzhafte Überlebensstrategie Ihres Systems sind?
In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, dass Depression oft keine isolierte Krankheit ist, sondern eine Spätfolge von unverarbeitetem Trauma.
Das Echo (Not Aus)
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Wenn wir Depression aus integrativer Sicht betrachten, verlieren die Symptome ihren Schrecken und ergeben plötzlich einen Sinn. Ich möchte Ihnen hier vier Perspektiven vorstellen, die Ihnen helfen können, Ihr eigenes Erleben besser zu verstehen und liebevoller mit sich selbst umzugehen: Bodynamic, neurosystemische Integration, Ego-State-Therapie und die spirituelle Dimension der Sinnkrise.

1. Die Sicht der Bodynamic: Wenn der Körper resigniert
Bodynamic ist eine körperpsychotherapeutische Methode, die sich genau ansieht, wie psychologische Themen in unserer Muskulatur und Entwicklung gespeichert sind. Aus dieser Perspektive ist das, was wir als Depression empfinden, oft mit einer frühen Resignation verbunden.
In unserer Kindheit durchlaufen wir verschiedene Entwicklungsphasen. Werden unsere Bedürfnisse in diesen Phasen massiv frustriert und können wir weder kämpfen noch fliehen, bleibt uns oft nur eine letzte Strategie: Aufgeben, um zu überleben.
Der Weg der Heilung: Hier geht es nicht darum, sich „zusammenzureißen“, sondern die Muskeln behutsam wieder zu „wecken“ und die damals verlorene Kraft in Ihrem Körper wieder spürbar zu machen.

2. Neurosystemische Integration: Der Not-Aus-Schalter
Wenn wir Ihr Nervensystem betrachten (basierend auf der Polyvagal-Theorie), verstehen wir Depression oft als einen Zustand des funktionalen Freeze oder Dorsal-Vagal-Shutdowns.
Unser Nervensystem scannt permanent nach Sicherheit. Bei Gefahr reagieren wir mit Kampf oder Flucht (Sympathikus). Wenn diese Optionen jedoch blockiert sind oder die Bedrohung zu lange andauert (wie bei chronischem Stress oder Entwicklungstrauma), zieht das System die Notbremse.
Der Weg der Heilung: Neurosystemische Integration hilft Ihrem Nervensystem, wieder Sicherheit im Hier und Jetzt zu erfahren und ganz sanft aus der Erstarrung in eine lebendige Regulation zurückzufinden.

3. Ego-State-Therapie: Der depressive Anteil als Wächter
Die Ego-State-Therapie geht davon aus, dass unsere Persönlichkeit aus verschiedenen Anteilen besteht. Aus dieser Sicht ist „die Depression“ nicht Ihr ganzes Selbst, sondern oft ein spezifischer Anteil (Ego State) mit einer wichtigen Aufgabe.
Der Weg der Heilung: Wir versuchen gemeinsam, diese Anteile kennenzulernen und zu würdigen, anstatt sie „wegmachen“ zu wollen. Wenn der innere Wächter versteht, dass Sie heute als erwachsener Mensch neue Ressourcen haben, muss er das System nicht mehr zwangsweise herunterfahren.

4. Depression als Sinnkrise: Der Ruf nach Wandlung
Schließlich dürfen wir die existentielle Dimension nicht vergessen. Depression kann auch als eine tiefe Sinnkrise oder, wie es in manchen Traditionen heißt, eine „Dunkle Nacht der Seele“ verstanden werden.
Wenn alte Strukturen, Glaubenssätze oder Lebensweisen nicht mehr zu Ihnen passen, Sie aber noch nicht wissen, wohin der Weg führt, entsteht ein Vakuum.
In diesem Licht erscheint die Depression nicht nur als Krankheit, sondern als – wenn auch schmerzhafter – Schwellenzustand vor einer notwendigen Veränderung.

Ein integrativer Weg auf traumaheilung.jetzt
Wenn wir Depression als Folge von Trauma verstehen – als körperliche Resignation, nervlichen Shutdown, Schutzstrategie von Anteilen und Ruf nach Sinn – dann wird klar:
Es geht nicht darum, gegen sich selbst zu kämpfen, sondern die Botschaft Ihres Systems zu verstehen und wieder Sicherheit zu finden.
In meiner Praxis verbinde ich diese Ansätze, um Sie ganzheitlich zu begleiten. Wir arbeiten daran:
In meiner Praxis nutze ich ergänzend oft auch das Wissen aus der Neurosystemischen Integration, um das Nervensystem noch effektiver mit einzubeziehen, oder die Techniken EMDR und Brainspotting, um schwierige Erfahrungen besser verarbeiten zu können. Bindungs- und Ressourcenorientierung sind ebenso wichtig in meiner Arbeit.
Jeder Weg ist individuell. Wenn Sie sich in diesen Beschreibungen wiederfinden und sich Unterstützung auf Ihrem Weg wünschen, lade ich Sie herzlich ein, Kontakt aufzunehmen.
In aller Kürze
Warum hilft mir herkömmliche Gesprächstherapie nicht nachhaltig gegen meine Depression?
Gesprächstherapie erreicht oft vor allem den Neokortex (den denkenden Teil des Gehirns). Wenn eine Depression jedoch auf frühem Trauma basiert, ist die Reaktion oft im Stammhirn und im Körpergedächtnis als chronischer “Freeze”-Zustand (Erstarrung) gespeichert. Diese tiefen Schichten sind über Sprache allein schwer zugänglich; sie brauchen einen körperorientierten Zugang.
Wie zeigt sich “traumatische Resignation” im Körper?
Im Bodynamic-System nennen wir das oft “Hyporesponsivität”. Das bedeutet, dass bestimmte Muskelgruppen, die eigentlich für Aktivität oder Abgrenzung zuständig wären, energetisch “aufgegeben” haben und sich schlaff oder kraftlos anfühlen. Diese körperliche Resignation wird psychisch oft als Antriebslosigkeit, Schwere oder emotionale Taubheit erlebt.
Ist meine Depression also “nur” ein körperliches Problem?
Nein, es ist ein Zusammenspiel. Die Depression ist eine psychische Reaktion auf einen körperlichen Zustand der chronischen Überforderung oder Resignation. Indem wir körperlich daran arbeiten, die “aufgegebenen” Bereiche wieder sanft zu beleben und Sicherheit im Nervensystem herzustellen, kann sich auch die psychische Stimmungslage nachhaltig verändern.
