Ego State Therapie (nach Kai Fritzsche)
Frieden für Ihre innere Wohngemeinschaft.

Warum wir alle „viele“ sind, wer da eigentlich am Steuer sitzt und wie wir aus dem inneren Chaos ein kompetentes Team formen. (Nach dem Ansatz von Dr. Kai Fritzsche).
„Einerseits will ich, andererseits aber auch gar nicht…“

Hand aufs Herz: Führen Sie manchmal Selbstgespräche? Wenn ja: Herzlichen Glückwunsch, Sie sind vollkommen normal.
Wir alle kennen diese Momente. Ein Teil von uns möchte sich gesund ernähren, diszipliniert arbeiten und immer freundlich sein. Ein anderer Teil möchte einfach nur Schokolade essen, die Decke über den Kopf ziehen oder dem unfreundlichen Nachbarn mal so richtig die Meinung geigen.
Oft fühlen wir uns innerlich zerrissen. Als würden verschiedene Personen an unserem Lenkrad zerren. Goethe klagte über „zwei Seelen in seiner Brust“. Wenn er wüsste! Die moderne Psychologie weiß heute: Es sind meistens deutlich mehr als zwei.
In der Fachsprache nennen wir diese Persönlichkeitsanteile „Ego States“ (Ich-Zustände). Man kann sie sich aber viel schöner als eine innere Wohngemeinschaft oder ein inneres Fußballteam vorstellen. Und wie in jeder WG gibt es dort die Vernünftigen, die Ängstlichen, die Rebellen und die, die immer den Abwasch liegen lassen.
Das Problem ist nicht, dass wir diese Anteile haben (das ist genial!). Das Problem entsteht erst, wenn die WG-Bewohner nicht mehr miteinander reden, sich bekriegen oder einer versucht, den Laden alleine zu schmeißen.
Jede Stimme hat einen Grund.

Die Ego-State-Therapie geht davon aus, dass unsere Persönlichkeit nicht aus einem einzigen Guss besteht, sondern aus verschiedenen neuronalen Netzwerken. Jeder dieser „States“ ist irgendwann in unserem Leben entstanden, um eine bestimmte Aufgabe zu bewältigen.
- Der Manager: Organisiert den Alltag, zahlt Rechnungen, funktioniert.
- Der Genussmensch: Sorgt für Entspannung und Spaß.
- Der innere Kritiker: Will uns durch (oft harsche) Mahnungen vor Fehlern und Blamagen schützen.
Besonders nach traumatischen Erlebnissen oder in langanhaltenden Krisen passiert jedoch oft etwas Tragisches: Manche Anteile bleiben in der Zeit stecken. Ein Anteil, der uns als Kind in einer gefährlichen Situation durch „Unsichtbar-Machen“ gerettet hat, feuert diese Strategie heute noch ab, wenn der Chef nur die Augenbraue hebt. Er meint es gut – er will uns retten! Aber im Erwachsenenleben ist die Strategie „Totstellen“ oft hinderlich.
Diplomatie statt innerer Diktatur.

Vielleicht haben Sie schon versucht, unliebsame Anteile (wie die Angst, die Wut oder den inneren Schweinehund) einfach „wegzumachen“ oder zu unterdrücken. Meistens mit mäßigem Erfolg, oder? Das ist wie einen Wasserball unter Wasser zu drücken – irgendwann schießt er mit Wucht nach oben.
Der Ansatz von Kai Fritzsche, den ich in meiner Praxis nutze, ist radikal wertschätzend. Wir gehen davon aus: Es gibt keine bösen Anteile.
Selbst der Anteil, der Panikattacken auslöst, oder der Anteil, der Sie immer wieder in toxische Beziehungen führt, verfolgt eine „positive Absicht“. Er will vielleicht Schutz, Lebendigkeit oder Zugehörigkeit sichern – er nutzt nur leider eine veraltete oder dysfunktionale Methode dafür.
In der Therapie laden wir diese Anteile ein. Wir machen quasi eine Betriebsversammlung. Anstatt den „Störenfried“ rauszuschmeißen, fragen wir ihn: „Hey, was ist eigentlich dein Job hier? Wovor möchtest du uns beschützen? Und was brauchst du, damit du dich entspannen kannst?“
Den inneren Regierungswechsel einleiten.

Ego-State-Therapie ist oft überraschend lebendig und anschaulich. Es kann sein, dass wir in der Sitzung verschiedenen Anteilen symbolisch einen eigenen Stuhl geben. Oder wir nutzen innere Bilder, um einen sicheren „Konferenzraum“ zu gestalten.
Unser Ziel ist nicht, alle Anteile gleichzuschalten. Ein gutes Team lebt von Vielfalt! Unser Ziel ist es:
- Kennenlernen: Wer wohnt da eigentlich alles in mir?
- Versorgung: Die „verletzten Kinder“ (traumatisierte Anteile) werden gefunden, getröstet und an einen sicheren Ort gebracht, damit sie nicht mehr ständig Alarm schlagen müssen.
- Verhandlung: Der „innere Kritiker“ bekommt vielleicht einen neuen Job. Statt Sie fertigzumachen, darf er ab sofort als „Qualitätsmanager“ oder „Sicherheitsberater“ fungieren – aber der Tonfall muss freundlicher werden!
- Führung: Wir stärken Ihr „Ich“ (das erwachsene Selbst). Sie sollen wieder der Busfahrer sein, der entscheidet, wohin die Reise geht – während die Anteile als Passagiere die Fahrt genießen, statt ins Lenkrad zu greifen.
Wann lohnt sich der Blick nach innen?

Diese Methode ist wunderbar geeignet, wenn Sie:
- Sich oft innerlich zerrissen oder blockiert fühlen („Ich stehe mir selbst im Weg“).
- Unter starken Stimmungsschwankungen leiden.
- Verhaltensweisen an sich bemerken, die Sie rational nicht erklären können („Warum habe ich das schon wieder gesagt?!“).
- Traumafolgen bearbeiten möchten, ohne dass es sich „schwer“ anfühlen muss.
Die Ego-State-Therapie bringt oft eine große Erleichterung mit sich. Endlich verstehen wir, warum wir so ticken. Wir müssen nicht mehr gegen uns selbst kämpfen, sondern fangen an, mit uns selbst zu kooperieren.
Und ganz ehrlich: Wenn das innere Team erst einmal gut zusammenarbeitet, macht das Leben deutlich mehr Spaß.
