Fawn Response
Wenn Anpassung zur Überlebensstrategie wird

Vielleicht kennen Sie diesen Zustand: Ihr Tag hat noch gar nicht richtig begonnen, und doch sind Sie innerlich schon hellwach und in Alarmbereitschaft. Ihr inneres Radar scannt die Umgebung, die Stimmung im Raum, die Mimik Ihres Gegenübers. Alles muss stimmen. Alles muss harmonisch sein.
Die fleißige Fee
von traumaheilung.jetzt
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Es gibt einen Liedtext, der diesen Zustand mit dem Bild einer „fleißigen Fee“ beschreibt: Jemand, der schon das Bett macht, während er noch darin liegt. Jemand, der perfekt funktioniert, lächelt und jeden Wunsch erfüllt, noch bevor er ausgesprochen wurde.
Was im Alltag oft als vorbildliche Hilfsbereitschaft oder Perfektionismus gelobt wird, ist in der Psychologie unter einem anderen Namen bekannt: Fawn Response (Reaktion durch Unterwerfung oder Anpassung). Wenn Sie sich darin wiedererkennen, ist dies keine Charakterschwäche – es ist eine tief verwurzelte Schutzstrategie.
Mehr als nur „nett sein“: Die vierte Stressreaktion

Wir alle kennen die klassischen Reaktionen unseres Nervensystems auf Gefahr: Kampf (Fight), Flucht (Flight) oder Erstarren (Freeze). Doch es gibt eine vierte Reaktion, die oft übersehen wird, weil sie nach außen hin so kompetent und sozial verträglich wirkt: Fawn.
Menschen im Fawn-Modus versuchen, Konflikte und potenzielle Gefahren (wie Ablehnung, Kritik oder Wut) dadurch abzuwenden, dass sie sich unverzichtbar machen. Die unbewusste Logik, die oft in früher Kindheit gelernt wurde, lautet:
„Wenn ich alles richtig mache, wenn ich keine eigenen Ansprüche stelle, dann bin ich sicher. Dann werde ich nicht verletzt oder verlassen.“
Perfektionismus als Versuch, Kontrolle zu behalten

Vielleicht ertappen Sie sich dabei, wie Sie ständig versuchen, die Launen anderer Menschen zu regulieren. Sie scannen, wie es im Lied heißt, „die Stirn auf Falten“, um jede Missstimmung sofort zu glätten.
Dahinter steckt oft weniger der Wunsch, zu dienen, sondern eine massive Angst vor Kontrollverlust. Es ist der Versuch, Sicherheit herzustellen. Wenn Sie die Bedürfnisse Ihres Gegenübers erfüllen, bevor dieser sie überhaupt spürt, behalten Sie – so die Hoffnung des traumatisierten Anteils – die Kontrolle über die Situation.
Das ist Schwerstarbeit für Ihr Nervensystem. Das ständige „Polieren des Egos“ anderer und das Zurückhalten der eigenen Persönlichkeit führen auf Dauer in die Erschöpfung. Man löst sich förmlich auf, um Konflikte zu vermeiden. Paradoxerweise verhindert genau dieses Verhalten oft die echte Verbundenheit, nach der Sie sich eigentlich sehnen. Denn echte Nähe braucht ein greifbares Gegenüber, keine perfekte Fassade.
Der Weg aus der Über-Funktionalität

Traumafolgen zeigen sich nicht immer durch Zusammenbrüche. Oft zeigen sie sich durch extreme Hochfunktionalität. Sie funktionieren reibungslos – bis nichts mehr geht.
Ein entscheidender Schritt in der Traumaheilung ist die Erkenntnis, dass Ihre Anstrengung nicht die Bedingung für Ihre Daseinsberechtigung ist. Heilung beginnt dort, wo Sie realisieren: Es ist sicher, auch einmal nichts zu tun.
Es geht darum, dem Nervensystem behutsam beizubringen, dass die Welt nicht untergeht, wenn Sie „die Hände im Schoß lassen“. Dass Sie nicht perfekt sein müssen, um sicher zu sein. Das Loslassen dieser Kontrolle fühlt sich anfangs oft bedrohlich an, weil der alte Schutzmechanismus Alarm schlägt. Doch genau hier liegt der Weg zurück zu Ihnen selbst.
Wie ich Sie unterstützen kann
Wenn Ihnen diese Dynamik bekannt vorkommt, möchte ich Ihnen versichern: Ihr Verhalten ist logisch und nachvollziehbar. Es war die beste Lösung, die Ihnen zu einem früheren Zeitpunkt zur Verfügung stand.
Auf Traumaheilung.jetzt unterstütze ich Menschen dabei, diese alten Muster zu verstehen und aufzulösen. Wir arbeiten nicht daran, Sie zu „reparieren“ – denn Sie sind nicht kaputt. Wir arbeiten daran, dass Sie sich wieder sicher genug fühlen können, um die Maske der „fleißigen Fee“ abzulegen und einfach Sie selbst zu sein.
Möchten Sie lernen, wie Sie aus dem ständigen Reaktionsmodus aussteigen und wieder mehr Ruhe in Ihr Leben bringen?
