Warum Ihr ‚Nein‘ im Körper beginnt
4 somatische Schlüssel, um Ihre Grenzen zu stärken.

Song zum Artikel:
Der Türsteher in meinem Triceps
von traumaheilung.jetzt
Der Song kann gerne geteilt werden mit Nennung meines Namens und einem Link hierhin.
Fällt es Ihnen schwer, „Nein“ zu sagen? Fühlen Sie sich oft erschöpft von den vielen Verpflichtungen, die Sie eingehen, obwohl Ihre innere Stimme leise protestiert? Dieses Gefühl der Überforderung hinterlässt oft eine spürbare Enge in der Brust oder ein Zurückweichen in den Schultern und mündet in eine tiefe Sehnsucht: die Sehnsucht, aus freier Entscheidung und aufrichtiger Freude „Ja“ sagen zu können. Ein „Ja“, das nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus vollem Herzen kommt.
Die zentrale These dieses Artikels ist, dass die Fähigkeit, gesunde Grenzen zu setzen, nicht nur eine mentale Übung ist. Sie ist tief in unserem Körper, in unserer Muskulatur und unseren Bewegungsmustern verwurzelt. Unser Körper verfügt über eine eigene Weisheit, die uns lehren kann, unser „Nein“ nicht nur zu denken, sondern es auch physisch zu spüren und zu festigen. Lassen Sie uns vier somatische Schlüssel erkunden, die Ihnen helfen können, die Verbindung zu dieser angeborenen Fähigkeit wiederherzustellen.
1. Ihr „Nein“ ist eine physische Handlung, nicht nur ein Wort

Eine der überraschendsten Erkenntnisse aus dem Bodynamic-System ist, wie präzise psychologische Fähigkeiten mit bestimmten Muskeln verknüpft sind. Die Fähigkeit, „absolut ‚Nein‘ zu sagen und ‚Stopp‘ zu sagen“, ist direkt mit den Muskeln auf der Rückseite des Unterarms verbunden, den sogenannten Streckmuskeln des Handgelenks (Extensor carpi radialis longus und brevis).
Diese Muskeln werden in der Entwicklungsphase des „Willens“ (eine Phase im Alter von ca. 2-4 Jahren, in der das Kind seine Absichten und seine Kraft in der Welt erprobt) aktiviert. Ein Kind trainiert diese Bewegungsmuster, wenn es Spielzeugautos über den Boden schiebt, einen Ball fängt und ihn auf Abstand hält oder etwas von sich wegschiebt. Es sind Handlungen des Wegschiebens und des Haltens auf Distanz – die physische Verkörperung eines „Nein“.
Erwachsene, die Schwierigkeiten haben, Grenzen zu setzen, unterdrücken diese Geste oft unbewusst. Sie ziehen die Arme zurück, anstatt eine wegstoßende Bewegung zu vollenden. Versuchen Sie dies jetzt: Legen Sie Ihre Hand flach auf einen Tisch und drücken Sie sanft nach unten und von sich weg, als würden Sie den Tisch verschieben wollen. Spüren Sie die subtile Aktivierung an der Oberseite Ihres Unterarms? Das ist die körperliche Wurzel Ihres „Nein“.
2. Persönlicher Raum ist mehr als eine Metapher

Im Bodynamic-System verstehen wir den „persönlichen Raum“ nicht nur als eine soziale Konvention, sondern als eine spürbare, energetische Grenze. Es ist die Luft um uns herum, die uns gehört und die wir kontrollieren dürfen. Diese Fähigkeit, den eigenen Raum zu spüren und zu wahren, ist eine grundlegende Ego-Funktion (eine der Kernkompetenzen des Ichs zur Lebensbewältigung).
Diese psychologische Funktion, „sein Territorium zu erschaffen und zu besitzen“, ist wiederum direkt mit bestimmten Muskeln verbunden, insbesondere mit dem äußeren Oberschenkelmuskel (Vastus lateralis). Während dieser Muskel in der Willensphase (2-4 Jahre) grundlegend ist, um unser Territorium zu etablieren, entwickelt er sich weiter und hilft uns später, diesen Raum in intimen Beziehungen (Liebe/Sexualität) zu wahren und sogar unsere Position in einer Gruppe zu behaupten (Solidarität/Leistung).
Das Bedürfnis nach Raum ist kein Egoismus. Es ist ein fundamentales Recht, das tief in unserer Biologie verankert ist. Stellen Sie sich mit leicht gebeugten Knien hin. Verlagern Sie Ihr Gewicht sanft von einem Bein auf das andere und spüren Sie die Kraft an der Außenseite Ihrer Oberschenkel. Nehmen Sie wahr, wie diese Aktivierung ein Gefühl von Stabilität und Präsenz im Raum erzeugt. Ein gesundes Selbstgefühl benötigt diesen klar definierten persönlichen Raum, den wir als sicher und als unseren eigenen empfinden.
3. Sie müssen geerdet sein, um Ihren Standpunkt zu behaupten

„Erdung“ ist im somatischen Sinne keine esoterische Vorstellung, sondern eine konkrete körperliche Erfahrung: die physische Wahrnehmung unserer Füße auf dem Boden und das Spüren der Schwerkraft, die uns Halt gibt. Schließen Sie für einen Moment die Augen. Wippen Sie sanft auf Ihren Füßen vor und zurück, von den Zehen zu den Fersen. Spüren Sie den genauen Punkt, an dem Ihr Gewicht zentriert ist und der Boden Sie am solidesten trägt. Das ist Ihr geerdeter Standpunkt.
Diese körperliche Stabilität ist die direkte Voraussetzung für psychische Stabilität. Wenn wir uns nicht geerdet fühlen – wenn wir den Kontakt zum Boden unter unseren Füßen verlieren –, ist es nahezu unmöglich, standhaft zu bleiben. Einem äußeren Druck oder einer unangemessenen Forderung mit einem klaren und ruhigen „Nein“ zu begegnen, erfordert, dass wir buchstäblich fest auf dem Boden stehen.
Es sind Empfindungen im Körper, die mir sagen, wie gut meine Erdung ist, und mit Hilfe von körperlichen und energetischen Werkzeugen kann ich sie verbessern.
Diese körperliche Ressource bewusst zu nutzen, ist ein entscheidender Schritt, um ein Gefühl der inneren Sicherheit zu kultivieren. Aus dieser Sicherheit heraus können wir Grenzen setzen, die nicht reaktiv, sondern zentriert und klar sind.
4. Wahre Grenzen entstehen durch Selbst-Containment, nicht durch Unterdrückung

Oft wird das Setzen von Grenzen mit der Unterdrückung von Gefühlen verwechselt. Unterdrückung bedeutet jedoch, ein Gefühl aktiv wegzudrücken, was enorm viel Energie kostet und häufig zu unkontrollierten emotionalen Ausbrüchen führt, wenn der Druck zu groß wird.
Ein weitaus kraftvolleres Konzept ist das des „Containments“ oder Selbst-Containments. Dies ist die Fähigkeit, Emotionen und Impulse in sich zu halten, sie zu spüren und zu akzeptieren, ohne von ihnen überwältigt zu werden oder sie sofort ausagieren zu müssen. Im Bodynamic-System ist diese Fähigkeit ein zentraler Aspekt der Ego-Funktion, die wir „Energiemanagement“ nennen. Es geht darum, die eigene Lebensenergie bewusst zu verwalten, anstatt von ihr überschwemmt zu werden. Atmen Sie tief in Ihren Bauch ein und stellen Sie sich vor, Ihr Rumpf wäre ein starkes, flexibles Gefäß. Spüren Sie beim Ausatmen, wie die Wände dieses Gefäßes Halt geben, ohne starr zu sein. Dies ist das Gefühl, Emotionen zu halten, anstatt sie zu unterdrücken.
Hier schließt sich der Kreis: Wirkliches Containment ist nur möglich, wenn man über gute und klare persönliche Grenzen verfügt. Man kann sich selbst nur dann gut spüren und die eigenen inneren Zustände halten, wenn der persönliche Raum intakt ist. Diese Fähigkeit bildet die Grundlage für ein „Nein“, das nicht aus Angst oder Abwehr kommt, sondern aus einer tiefen inneren Klarheit und Selbstkenntnis.
Abschluss: Der Weg zurück zu Ihrem Körper

Die Fähigkeit, gesunde Grenzen zu setzen, ist keine abstrakte Willensleistung, die man sich einfach vornehmen kann. Es ist vielmehr das Wiedererlernen einer Sprache, die Ihr Körper schon immer gesprochen hat. Der Weg zu einem authentischen „Nein“ – und damit auch zu einem freudvollen „Ja“ – beginnt mit der Wiederherstellung der Verbindung zu unserem Körper und seiner angeborenen Weisheit.
Wenn Sie jetzt in Ihren Körper hineinspüren, welche kleine, physische Geste – ein Aufrichten, ein Ausstrecken, ein festes Stehen – signalisiert den ersten Schritt, um Ihren Raum zurückzugewinnen?
Wollen Sie wieder in Kontakt mit Ihren eigenen Grenzen kommen?
Zu verstehen, warum das „Nein“ im Körper stecken bleibt, ist der erste Schritt. Doch dieses Wissen auch spürbar und nutzbar zu machen, erfordert oft einen sicheren Raum und professionelle Begleitung.
Lassen Sie uns in einem unverbindlichen Gespräch herausfinden, wie ich Sie dabei unterstützen kann, wieder mehr Sicherheit in Ihrem eigenen Körper zu finden.
